„Saisonziel nicht erreicht“: Rödertalbienen ziehen Fazit und fixieren neue Herausforderungen
Großröhrsdorf, Mittwoch, 24.06.2026
Die Rödertalbienen haben ein ehrliches Saisonfazit gezogen. Die sportliche Führung des HC Rödertal mit Geschäftsführer Andreas Baier und Cheftrainerin Maike Daniels sieht nach einer durchwachsenen Saison noch Luft nach oben, gerade in den Spitzenspielen. „In der Nachbetrachtung der vergangenen Saison können wir natürlich überhaupt nicht zufrieden sein, sowohl im strukturell organisatorischen Bereich noch im spielerischen. Wir haben es nicht geschafft, unsere Wünsche und Ziele zu erreichen sowie unser Potenzial auszuschöpfen. Die Mannschaft ist trotz des großen Umbruchs meinen Erwartungen nicht gerecht geworden“, bilanzierte Sportchef Andreas Baier.
Ähnlich sieht es die Bienen-Cheftrainerin.
„Leider haben wir es nicht kontinuierlich geschafft, unser maximales Leistungsvermögen gegen unseren direkten Tabellennachbarn abzurufen. Das ist ein Wermutstropfen, den wir mit in die neue Saison nehmen werden“, sagte Maike Daniels und verwies auf ein Problem in der Crunchtime der Saison. „Diese wird vielen als eine besondere in Erinnerung bleiben. Mit dem verpassten Antrag auf die Lizenz für die erste Liga ergaben sich für uns als Mannschaft unerwartete Herausforderungen, insbesondere natürlich in der veränderten Zielstellung. Das zu moderieren war sicherlich einer der größten Lernprozesse dieses Teams“, betonte sie.
„Lizenzierungs-Gau“ und Probleme in den Spitzenspielen
Andreas Baier sprach sogar vom „Lizenzierungs-Gau“, möchte dies jedoch nur bedingt als Ausrede gelten lassen, „da wir in der Hinrunde schon zu viele Punkte haben liegengelassen“. Dass Leipzig als eingespieltes Team in der Liga sicherlich mit dem größeren Trainingsumfang dank der Vormittagseinheiten einzigartige Möglichkeiten hat, ein harter Konkurrent werden wird und auch das Nürtingen und die Füchse sicherlich um den Aufstieg mitspielen, war zu erwarten, erklärte er und ergänzte: „Aber unsere eigene Rolle in dieser Vierergruppe kann uns nicht zufrieden stellen.“ Nur ein Spitzenspiel konnte der HCR gewinnen, es war der 25:24-Sieg bei den Füchsen kurz nach Weihnachten.
Zwar stellte man mit 940 Toren hinter Nürtingen den zweitbesten Angriff und mit 753 Gegentreffern die drittbeste Abwehr, im Gesamtvergleich reichte es mit insgesamt sieben Niederlagen nur für Platz vier. Mit Bo Dekker (126 Treffer/Platz 18) schaffte es nur eine Spielerin unter den besten 20 Torschützinnen der Liga. „Deshalb ist es wichtig, die Konsequenzen, die wir in der Nicht-Verlängerung von Spielerinnen und in der Neuverpflichtung von Alternativen getroffen haben, jetzt in Leistung umzumünzen. Es ist ganz klar unsere Aufgabe, sowohl strukturell als auch sportlich, unsere Ziele in der nächsten Saison noch konsequenter zu verfolgen“, sagte der Sportchef.
Erstligaerfahrung soll in Drucksituationen helfen
Die Cheftrainerin sieht das nun „veränderte Mannschaftsbild als Chance. Wir haben einen Kader, der generell viel Erfahrung mit sich bringt, einige Spielerinnen haben sogar Erstligaerfahrung. Ich denke, das kann uns in Drucksituationen sicherlich helfen und unser Spiel in der Crunchtime ein wenig mehr Ruhe bringen“, betonte Maike Daniels.
Der HCR hat trotz der drittbesten Abwehr der Liga noch Reserven. „Ich denke, dass wir da noch Luft nach oben haben, insbesondere, wenn wir zwischen den Abwehrsystemen switchen“, erklärte sie. Neben der bekannten 5:1-Deckung wechselte sie zuletzt immer öfters das Abwehrsystem. Das soll nun noch ausgebaut und vor allem verinnerlicht werden. „Wir wollen mit mehreren Abwehrsystemen stabil sein, so auch für den Gegner unberechenbar werden“, erklärte Andreas Baier.
Mehr Mut zum Tempohandball
Und in der Offensive soll es ab sofort für die Bienen schneller gehen. „Ich möchte, dass wir im Angriff mutiger als auch flüssiger spielen. Dazu gehört auch, dass der Ball gut läuft und wir so unsere Dynamik besser mit Druck zum Tor umwandeln können“, forderte Maike Daniels. Dafür wurden bewusst einige Weichen gestellt. „Mit den getroffenen Entscheidungen der sportlichen Führung und des Trainerteams, einige Verträge nicht zu verlängern und sich hier neu zu orientieren, auch jungen Spielerinnen eine Chance zu geben, ist natürlich eine gewisse Erwartungshaltung für die neue Saison da. Wir wollen die Ziele, die wir eigentlich letztes Jahr intern schon besprochen hatten, mit variabel einsetzbaren Deckungsvarianten und einem attraktiven schnellen Handball, nun endlich umsetzen“, erklärte der Sportchef.
Denn es gab auch eine Menge „positive Aspekte, zum Beispiel die sehr gute Entwicklung von Zoe Davenport oder von Lea Grießer“. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass „einige Spielerinnen den Erwartungen leider nicht gerecht geworden sind“, ergänzte Andreas Baier, der zusammen mit der Cheftrainerin wieder zurück „in die absolute Spitzengruppe der zweiten Handball-Bundesliga vorstoßen“ möchte. Das geht laut der Bienenchefin nur über „eine gesunde Hierarchie im Team sowie mit funktionierenden Mechanismen auf dem Spielfeld“.
Spieltagsheft
Nachbericht
Rödertalbienen gegen Werder Bremen erfolgreich
Samstag, 07.02.2026, 18:30 Uhr I HC Rödertal – SV Werder Bremen 31:26 (15:14)
Die Rödertalbienen konnten das erste Heimspiel in der Rückrunde der 2. Alsco Handball-Bundesliga Frauen vor 531 Zuschauern erfolgreich gestalten und den 3. Tabellenplatz behaupten. Gegen den SV Werder Bremen hieß es am Ende 31:26 (15:14).
Trotz des klaren Erfolges war Chefcoach Maike Daniels mit dem Spiel ihres Teams nur bedingt zufrieden: „ Wir finden nur sehr schwer in das Spiel und hatten in der 1. Halbzeit gegen die schnellen Bremerinnen in der Abwehr unsere Probleme. In der zweiten Hälfte spielen wir bis zur 52. Minute so, wie ich mir das vorgestellt hatte, um die letzten acht Minuten herzuschenken. Hier fehlt uns einfach noch die Konstanz.“
Den ersten Treffer des Spiels erzielte Leni Ruwe für den SV Werder Bremen, sie war mit acht Treffern die Torschützenbeste des Spiels. Rödertal konnte zwar immer wieder ausgleichen, lief aber auch immer einem Rückstand hinterher. Besonders die Ruwe-Schwestern Leni und Emma stellten die Bienenabwehr vor Probleme. Erst drei Sekunden vor der Halbzeitsirene konnte Eleonora Stankovic mit einem Konter die erste Führung für die Rödertalbienen (15:14) erzielen. Daniels fand deutliche Worte in der Kabine. Die Chancenverwertung und auch die Abwehrleistung müssen besser werden.
Die Bienen begannen die zweite Hälfte wesentlich konzentrierter und plötzlich lief das Spiel. Jetzt legten die Gastgeberinnen vor und Bremen musste nachziehen. So ging es bis zur 40. Spielminute (21:19). Ann Rammer im Tor und Arwen Gorb prägten jetzt das Spiel der Rödertalbienen. Sie gaben die entscheidenden Impulse. Das druckvolle Spiel und die konsequente Abwehrleistung zeigten Wirkung. Bremen fand einfach keine Mittel. Innerhalb von nur 10 Minuten zogen die Gastgeberinnen auf 30:21 davon. Das Spiel war entschieden. Was dann geschah, ist nur schwer zu erklären. Der klare Vorsprung sollte eigentlich Sicherheit bringen, aber genau das Gegenteil war der Fall. Das Bienenteam war plötzlich völlig von der Rolle und so gingen die letzten acht Minuten mit 1:5 an die Gäste.
Am Ende stand immer noch ein deutlicher Erfolg mit 31:26 aber er hatte einen kleinen Beigeschmack. Auch Gästetrainerin Renee Verschuren war nicht ganz zufrieden: „Nach einer guten 1. Halbzeit hatten wir in der 2. Hälfte eine Schwächephase und werfen zu viele Bälle weg. Das hat uns ein besseres Ergebnis gekostet.“
Torfrau Ann Rammer wurde als wertvollste Spielerin vom Spieltagspräsentator Sachsen-Lotto ausgezeichnet.
Bereits am nächsten Wochenende empfangen die Rödertalbienen den VfL Waiblingen im Bienenstock. Anwurf am Samstag ist 18:30 Uhr.
Der HCR spielte mit:
Ann Rammer und Joleen Schneider im Tor; Rozemarijn Alderden , Shaul Mor (3), Lena Smolik (2), Isabel Wolff n.e., Bo Dekker (4/4), Vanessa Huth (1), Anna Franková (1), Leila Ott (3), Eleonora Stankovic (5), Jasmin Eckart (1), Lea Grießer (4), Natascha Foley, Leonie Meersteiner
7m: 4/6 : 4/4 Strafen: 2 x 2 Min. / 3 x 2 Min